... unter der merowingischen Krankheit. Jene unheimliche Erscheinung, die dafür sorgt, daß die Sprößlinge einstmals großer und mächtiger Herrscherhäuser zunehmend regierungsunfähig werden. Sie werden dann zum Spielball ihrer Ratgeber und schließlich von diesen gestürzt. Die Merowinger sind das erste deutsche Herrscherhaus, das auf diese Weise dahingerafft wurde. Friedrich der Große vermutet die Ursache davon im schädlichen Einfluß der Ratgeber und Geistlichen auf den königlichen Nachwuchs: „Angesichts der schlechten Erfolge der durchschnittlichen Erziehung der Prinzen souveräner Häuser habe ich mich oft gefragt, welche Wege einzuschlagen seien zur Heranbildung eines Mannes, der würdig ist, anderen zu gebieten. Der Grund für die schlechte Erziehung, die die Söhne der Könige erhalten, ist jedenfalls in der Politik der Minister und der Selbstsucht der Geistlichen zu suchen. Die finden ihre Rechnung dabei, wenn sie die Prinzen in Furcht und Abhängigkeit aufwachsen lassen. Eifersüchtig auf ihr Ansehen und ihre Macht, möchten die Minister den Herrschern nur die äußere Repräsentation lassen. Sie selbst wollen despotisch regieren, aber ihr Herr soll sich mit der leeren Prärogative begnügen, ihre Befehle in seinem Namen zu erlassen. Um einen Prinzen von klein auf an das Joch zu gewöhnen, das sie ihm zudenken, erziehen sie ihn unter dem Gepränge der Größe und Majestät und schließen ihn von der Gesellschaft unter dem Vorwande ab, daß sein hoher Rang ihm nicht gestatte, sich zum Niveau der Sterblichen herabzulassen. Sie flößen ihm eine so törichte hohe Meinung von seiner erlauchten Geburt ein, daß er sich wie ein göttliches Wesen vorkommt, dessen Wünsche Gesetze sind und das, wie die Götter Epikurs, in ewiger Untätigkeit dahinleben soll. Sie bringen ihm die Meinung bei, daß es seiner unwürdig sei, sich mit Einzelheiten abzugeben. Er brauche nur zu sagen, es werde Licht, und es wird Licht. Seinen Bedienten komme es zu, zu arbeiten, er aber habe in glücklichem Nichtstun die Frucht ihrer Mühen zu genießen. Zu allen diesen Chimären von seiner Herrlichkeit gesellt sich der Zwang der Etikette. Seine Schritte werden mit dem Zirkel des Zeremoniells abgemessen. Seine Äußerungen und Unterhaltungen sind von seinem Gouverneur diktiert. Seine Begrüßungen richten sich sklavisch nach dem Titel derer, die er empfängt. Seine Vergnügungen sind im Etikettenbuch verzeichnet, nebst Tag und Stunde, wo er sie genießen darf. Sein Gouverneur flößt ihm großes Mißtrauen gegen sich selbst ein. Er wagt nicht das kleinste zu unternehmen, ohne um Rat zu fragen und Erlaubnis einzuholen. Schließlich macht diese fortgesetzte Gewohnheit den Zögling verlegen gegenüber der Welt, die er nicht kennt, mißtrauisch gegen seine eigenen Kräfte, scheu, furchtsam. Er wird träge, die Geschäfte langweilen ihn, und statt ein Herr zu werden, wird er ein Sklave. Die Geistlichen ihrerseits trachten, ihn abergläubisch und bigott zu machen. Sie suchen ihn zu einem Wesen heranzubilden, das den Gründern der Mönchsorden gleicht. Seine geringfügigsten Handlungen rechnen sie ihm zum Verbrechen an, damit sein geängstigtes Gewissen in steter Furcht vor der ewigen Höllenqual schwebe und sich desto williger von ihnen beherrschen lasse. Sie prägen ihm tiefe Verehrung für das Priestertum ein, heiligen Abscheu gegen jede andere Religion als die seiner geistlichen Erzieher. Kurz, indem sie ihm geschickt den Teufel an die Wand malen, gelingt es den Priestern, ihn nach ihrem Gutdünken zu beherrschen. Zu den ehrgeizigen und selbstsüchtigen Plänen der Minister und Geistlichen treten die guten Absichten seiner Eltern, die ihn vollends verderben. Sie wollen ihren Sohn zum Musterbild machen. Die guten Leute begreifen nicht, daß er ein Trottel wäre, wenn er keine Leidenschaften hätte. Trotzdem wünschen sie sehnlichst, daß er leidenschaftslos sei. Sie wollen ihn zum Gelehrten erziehen und pfropfen ihm wahllos Gelehrsamkeit in den Kopf. Damit verleiden sie ihm die Wissenschaften für immer oder machen ihn zum vollständigen Pedanten. Um seine Sitten zu bessern, unterdrücken sie tyrannisch seine kleinsten Wünsche. Sie verlangen, daß er mit fünfzehn Jahren die Geistesbildung und die Reife des Urteils besitze, die die Franzosen nicht vor dem vierzigsten Jahre erlangen. Ja, er soll sich sogar in dem Augenblick verlieben, wo sein Vater es wünscht, in die Person, die er ausgewählt hat, und gegen die übrigen Frauen so kühl bleiben wie Priamos gegen die schöne Helena. Die Folge solcher weisen Erziehung ist, daß der Prinz nach dieser Bevormundung ein ganz gewöhnlicher Mensch wird und nach seines Vaters Tode als Herrscher unter der Last der Regierung erliegt. Dergleichen habe ich während meines Lebens oft gesehen. Ja, mit Ausnahme der Königin von Ungarn und des Königs von Sardinien deren Geist über ihre schlechte Erziehung triumphiert hat, sind alle Fürsten Europas nur erlauchte Trottel.“ So mag es sich auch bei unserem Kaiser Karl verhalten, dem wir heute gedenken. Er ging nämlich 888 heim. Regiert hat er von 876 an und mußte die Einfälle der Wikinger abwehren, was im allerdings mißlang. Dazu wurde sein Reich beständig größer, da seine beiden Brüder vor ihm starben und als 884 sein Neffe Karlmann in Neustrien heimging, hatte er das Reich Karls des Großen beisammen. Noch zu seinen Lebzeiten erhob sich Arnulf von Kärnten gegen ihn. Seine Gattin Richardis gebar ihm keine Kinder, aber von einer Nebenfrau hatte er einen Sohn namens Bernhard. In den Nachfolgekämpfen konnte der sich aber nicht behaupten - was Karl der Hammer keine 150 Jahre früher noch konnte. Werfen wir nun noch einen Blick in die Jahrbücher von Fulda und Xanten, in welchem die Regierungszeit unseres Kaiser Karls niedergeschrieben ist: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10015821_00001.html „Ein rauer Winter und länger als gewöhnlich ausgedehnt; der Rhein und Main von Kalte zugefroren gestatteten lange Zeit eine Betretung. König Ludwig feierte den Geburtstag des Herrn in Frankfurt darauf nach Gallien abgereist empfing er die zu ihm kommenden Söhne Ludwigs und unterwarf seiner Gewalt das ganze Reich Lothars. Von da sandte er ein Heer zur Vertreibung der Nordmannen, welche sich in dem Scheide Fluß lange Zeit festgesetzt. Eine Schlacht fand Statt und er streckte mehr als 5000 von ihnen nieder. In diesem Treffen fiel des Königs Sohn Hugo. In Sachsen wurde unglücklich gegen die Nordmannen gekämpft: denn die Nordmannen, Sieger geblieben, töteten zwei Bischöfe, deren Namen sind: Thiotrih und Markwart und zwölf Grafen, also genannt: Brun Herzog und Bruder der Königin, Wichmann, Bardo, einen anderen Bardo, einen dritten Bardo, Thiotheri, Gerrich, Liutolf, Folcwart, Allan, Thiotric, Liuthar, samt allen welche ihnen folgten. Außerdem streckten sie achtzehn königliche Trabanten mit allen ihren Leuten nieder, deren Namen folgende sind: Aderam, Alfwini, Addasta, Aida, ein anderer Aida, Dudo, Bodo, Wal, Haulf, Hildiwart, Ruodtag, Hitti. desgleichen Wal, Ratheri, Adalwini, Werinhart, Thiotrih, Ailwart, abgerechnet Unzählige welche sie in die Gefangenschaft führten. Der König aber aus Gallien nach Franken zurückgekehrt, feierte Ostern in Frankfurt. Die Slawen welche Dalmatier heißen und die Böhmen und Sorben und die übrigen Nachbarn ringsum scharten, auf die Kunde von der Niederlage der Sachsen durch die Nordmannen, sich zusammen und suchten wieder in das Land der Thüringer einzudringen; sie rauben und sengen bei den Slawen an dem Saale Fluß, welche den Thüringern treu waren. Ihnen rückt Poppo, Graf und Herzog der Sorbischen Grenze, entgegen und im Vertrauen auf Gottes Hilfe schlägt er sie dergestalt nieder, daß von einer so großen Menge Keiner übrig blieb. Karlmann, Bruder Ludwigs und Karls, verschied am 22. März. Ludwig hatte in Mitte des Monats August bei Worms eine Unterredung mit den Seinigen, und schickte von seinen Getreuen einige den Gesandten seiner Neffen nach Gondreville entgegen,' einige auch ordnete er gegen Hugo ab, welcher in Gallien die Tyrannis ausübte. Aber Heinrich und Adelhard und die Übrigen, die mit ihnen waren, begannen ein Treffen gegen Thiotbald, den Führer von Hugos Streitmacht, welcher den Kern des Heeres bei sich behielt, und es fielen von beiden Seiten Viele verwundet. In diesem Kampf gewann Heinrich einen blutigen Sieg. Und als die von Gondreville und die aus dem Treffen Zurückkehrenden sich vereinigt hatten, zogen sie in gleicher Absicht mit den Söhnen Ludwigs gegen Boso zu kämpfen nach Gallien, erobern die Stadt Macon und nehmen die Unterwerfung Bernhards an, welcher in dieser die Herrschaft führte. Boso jenseits des Rhone Flusses geflohen sicherte sich in der Stadt Bienne, Die Normannen richten in Gallien Raub und Brand an; unter den sehr vielen Orten und Klöstern, die sie verwüsteten, verbrannten sie auch Viorzuna wo der größte Teil der Friesen wohnte; von da zurückgekehrt umzogen sie Nimwegen mit einem sehr festen Wall und mit Mauern, und bereiteten sich ein Winterquartier in der Pfalz des Königs. Ihnen rückt König Ludwig mit einer starken Mannschaft entgegen, kehrte aber um, als die Sache wegen der Härte des Winters und Festigkeit des Ortes wenig günstig ausfiel. In diesem Jahr drückte im Wormschen und Nitischen und in sehr vielen Orten von Ludwigs Reich eine schlechte Ernte und Mangel an allen Dingen nicht wenig auf das germanische Volk.“ #Panzer.